9. Hintergründe der enharmonischen Verwechslung

Geposted von Carl Hartmuth am

Oft erreicht mich die Frage, was unter einer enharmonischen Verwechslung verstanden wird, und warum zum Beispiel für den Ton Ges/Fis zwei Bezeichnungen existieren, obwohl der Spielknopf auf der Harmonika ein und derselbe ist. Nachstehende Erläuterung dient zum Verständnis der Begriffes "enharmonische Verwechslung" und woher es kommt, dass einige Töne zwei verschiedene Bezeichnungen  haben können. 

 Geschichtlicher Hintergrund: In der Zeit der „reinen, naturbezogenen Stimmung“ bis etwa J.S. Bach waren z.B. Fis-Dur und Ges-Dur zwei verschiedene Tonarten. Damit Musikwerke in allen Tonarten spielbar wurden, wurden die Stimmungen um 1700 angeglichen, bzw. temperiert. Denn in der natürlichen Stimmung ist eine Komposition nur in seiner Tonart spielbar. Daher stammt auch der Begriff der „wohltemperierten“ Stimmung. Die bisherigen Bezeichnungen der Tonarten wurde jedoch beibehalten, damit die historische Musik nicht missverständlich „temperiert“ wird. Außerdem ist die Temperierung naturgegeben nicht mathematisch exakt durchgängig durchführbar, so dass mit zunehmendem Abstand auf dem Quintenzirkel auch die Unterschiede größer und für das geschulte Ohr hörbar werden. Zum Beispiel sind die Frequenzunterschiede zwischen Fis- und Ges-Dur durchaus messbar. Das Fis ist eine Höhersetzung des Tones F, das Ges ist eine Erniedrigung des Tones G. Hier stehen die Teilungsverhältnisse 74/73 gegenüber. In der Physik spricht man bei einer solchen minimalen Differenz von einem pythagoreischen Komma, was etwa einem Intervall von einem Achtelton entspricht. Ähnliches kennen wir im Abgleich zwischen dem Sonnen- und Mondkalender, die nicht zusammenführbar sind und daher Schaltjahre zum Ausgleich nötig sind. Die enharmonische Differenz erscheint gering, ist jedoch hinsichtlich der energetischen Wirkung bzw. Mittelungskraft der Musik sehr groß. Bei großen Tonumfängen wie in der sinfonischen Musik sind diese Unterschiede bedeutsam. Erfahrene Komponisten bestehen darauf, dass ihre Werke in den von ihnen komponierten Tonarten aufgeführt werden. 

Auf der Harmonika mit ihrem beschränkten Tonumfang und nur wenigen spielbaren Tonarten sind die komplexen Unterschiede der Enharmonik nicht bedeutsam. Dennoch wird zwecks Durchgängigkeit der allgemeinen Musiklehre auch hier zwischen enharmonisch verwechselbaren Tönen unterschieden. 

Ein anderer Punkt ist die klanglich-energetische Wirkung von Tonarten allgemein. Auch bei identischer Spielweise klingen und wirken verschiedene Tonarten unterschiedlich, da die Zusammensetzung der Teiltöne und deren Stärken sich ändert. Wenn Sie dasselbe Stück auf einer Harmonika der Stimmung G-C-F-B spielen und mit einer anderen Stimmung wie z.B. A-D-G-C, F-B-Es-As oder B-Es-As-Des vergleichen, werden Sie feststellen, dass dass die Musik unabhängig von ihren Tonhöhen in ihren Wirkungen nicht "gleich" ist. 

 

 


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