19. Angaben von Schwierigkeitsstufen in Musikstücken

Geposted von Carl Hartmuth am

Bei unseren Stücken werden wie von vielen anderen Autoren und Verlagen auch Schwierigkeitsstufen angegeben. Ein Grund dafür ist, dass so ein Spieler erkennen kann, ob ein Stück zu seinem Level passt. In der Branche werden bis zu 10 Stufen verwendet. Für Laienmusiker sind die Unterschiede bei so vielen Stufen jedoch schwer zu erkennen. Ich habe mich daher auf 5 Stufen beschränkt, die sich auf Laienmusiker beziehen und von solchen auch zugeordnet werden können.

1 = Anfängerstufe (einfache Lieder mit bis 4 Knöpfen auf gleicher Tonreihe und  einfacher Begleitung) 

2 = Unterstufe (spielt Melodien mit Tonleiterumfang auf bis 3 Tonreihen und 4/4- sowie 3/4-Rhythmus mit Grund- und Wechselbass

3 = Mittelstufe (Stufe durchlaufener Grundausbildung) 

4 = Aufbaustufe (Neue Lerninhalte, die in der erlebten                                      Mittelstufenausbildung nicht enthalten sind sowie das Spielen mit                        musikalischem Ausdruck und das Spielen in einem Ensemble)

5 = Expertenstufe (keine neuen Inhalte, aber intensiven Anspruch an das Üben (Beginn der Profistufen)  

Diese Schwierigkeitsstufen beinhalten auch die Sicherheit des Lesens der Griffschrift. 

Am wichtigsten ist die Mittelstufe 3. Sie entspricht einem Ausbildungsstand bei einem Musiklehrer über ca. 3 Jahre und nach einem handelsüblichen Lehrwerk, das vom Lehrer individuell ergänzt wird. Ferner wird auch nach dieser Zeit eine regelmäßige Spielpraxis mit 3-4 Übungsstunden je Woche erwartet, damit die motorische Koordination in Übung bleibt, um den Level halten zu können. Wer diese Kriterien erfüllt, wird mit Stufenangaben 3-4 gut zurecht kommen. Wer oben genannte Kriterien (noch) nicht erfahren hat, sollte sich an Stücken orientieren, deren Level mit 1-2 angegeben ist. 

Stufe 4 bedeutet eines der drei folgenden Kriterien: 

a) erweiterte Spieltechniken zur Mittelstufe. Z.B. das freie  Improvisieren über eine Bluesabfolge, oder ein neuer Rhythmus wie Rumba, Fox, oder das Spielen einer barocken Bach-Fuge etc. Hier handelt es sich um Inhalte, die in den Mittelstufenausbildungen gewöhnlich nicht enthalten sind oder nur gestreift werden. 

b) intensiver musikalischer Ausdruck von Stücken der Mittelstufe. Dies                beinhaltet Spieldynamik, Agogik, Tonbindungen wie legato, staccato,                  differenzierte Betonungen, usw.)

c) Zusammenspiel in einem Ensemble. Das Zusammenspielen mit anderen      Musikern mit jeweils eigenen Stimmen ist nicht ganz einfach und muss gelernt u. geübt werden wie das alleinige Spielen auch. Es ist z.B. eine neue  Herausforderung, eine zweite Stimme oder eine Nebenmelodie zu spielen und die erste Stimme von einem anderen Instrument zu hören. Oder selbst keine Begleitung mit der linken Hand zu spielen und diese von anderen Spielern zu hören. 

Rhythmische Herausforderungen spielen hier auch eine wichtige Rolle. Ein Englischwalzer ist nicht einfach ein langsam gespielter Wiener Walzer. Oder ein Slowfox oder ein Blues kommen in den meisten traditionellen Ausbildungen nicht vor, und stellen daher einen Level-3 Spieler vor neuen Herausforderungen, was Level 4 bedeutet. Werden solche Stücke in der Ausbildung konsequent gelehrt und geübt, kann dies für einen solchen Spieler eine Level 2-3 Einstufung bedeuten. Wer sich mit Volkstänzen nicht auskennt, wird z.B. bei einem Zwiefachen vor neuen Herausforderungen stehen, da es mehrere Muster bzw. Schrittfolgen für diese Tanzform gibt. Auch das wäre eine 4er Einstufung. 

Stufe 5 bedeutet die Expertenstufe, bzw. dem Level der von Profis erwartet wird. Level 5 bedeutet im keine neue musikalische und spieltechnische Inhalte, aber intensive Übe-Herausforderungen. Für den Laienmusiker bedeutet dies eine Herausforderung, die aber mit einiger Übung machbar ist. Es bedeutet aber nicht, dass virtuos wirkende Stücke auch schwer sein müssen. Das kann sehr täuschen, da viele virtuos wirkende Stücke im Grunde einfachen sich wiederholenden Mustern folgen. Langsame, getragene dreistimmige, dynamisch vorgetragene Stücke können weitaus schwieriger sein.

Es kommt bei den Schwierigkeitsstufen also auch auf die musikalischen und spieltechnischen Inhalte an, die man gelernt und erfahren hat. Wichtig ist dabei zu wissen, dass es ungefähr geschätzte Einstufungen sind. Die Fähigkeiten und Schwierigkeiten können von Spieler zu Spieler sehr unterschiedlich sein und sich im Laufe der Spielpraxis auch unterschiedlich entwickeln. Daher ist eine genaue objektive Einschätzung nur individuell möglich und auch immer eine Momentaufnahme.  


Diesen Post teilen



← Älterer Post Neuerer Post →


Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.