4. Wissenswertes zu Instrumenten und Equipment

Geposted von Carl Hartmuth am

Welchen Nutzen haben eigentlich die trompetenförmigen Trichter an der linken Seite des Harmonikagehäuses? Bewirken sie einen akustischen Effekt wie bei echten Trompeten?

Mit den „Trompeten“ sind die trichterförmigen Aufsätze am linken Bassgehäuse gemeint. Diese gibt es je nach Hersteller und deren Modelle in verschiedene Ausführungen aus Metallen und Hölzern.

Diese Trompeten bewirken lediglich einen optischen Effekt. Auch ihre Anzahl ist rein optisch bedingt. Der Grund ist, dass die Klänge auf der Harmonika über Stimmzungen erzeugt und über das Gehäuse weitergegeben werden. Bei Blech-Blasinstrumenten wie Trompeten oder Posaunen wird die Schwingung per Luft über ein Mundstück erzeugt und auf dem Weg vom Mundrohr bis zum Trichter verstärkt und weitergegeben. Der Trichter unterstützt daher die Klangabstrahlung in eine Richtung. Bei der Harmonika ist das so jedoch so nicht der Fall, da die Töne über Stimmzungen erzeugt werden, die keine direkte Verbindung zu den „Trompeten“ haben. .

Welchen Vor- und Nachteil haben Harmonikas, die aus Vollholz hergestellt werden?

Ein Vorteil besteht darin, dass Vollmassivteile mittels moderner programmierbaren Fräs- und Lasertechnik aus vielen Holzarten hergestellt werden können. Die Fertigung selbst ist also kostengünstiger. Früher mussten solche Teile sehr aufwendig manuell ausgesägt, gemeißelt und geschnitzt werden, was großes handwerkliches Geschick erforderte. Die verwendeten Hölzer müssen sorgfältig gewählt, abgelagert und präpariert sein, ähnlich wie das bei Streichinstrumenten wie Violinen der Fall ist. Durch die durchgehende natürliche Maserung des Holzes werden die Tonschwingungen feiner, voller und runder übertragen, als dies bei kreuzweise geleimtem Schichtholz der Fall ist. Man kann dies sogar mittels Stimmgabeln vergleichen. Voraussetzung ist eine Tonerzeugung mittels hochwertigster Stimmplatten. Für den Konzertgebrauch sind solche Instrumente also bestens geeignet. Nachteil ist jedoch eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Schlägen, wie durch ungewolltes hartes Aufsetzen. Sogar geringe Schäden an solchen Teilen sind nicht mehr reparabel und sie müssen getauscht werden, da selbst durch kaum sichtbare Haarrisse der Fasernverlauf des Holzes unterbrochen wird und dabei die Klangschönheit verloren geht. Meistens ist bei einem solchen Teiletausch eine komplette Nachstimmung des Instrumentes erforderlich. Für den raueren Alltags- und Bühnenbetrieb sind daher weniger empfindliche Schichtholzmodelle besser geeignet. Dies auch deswegen, da die feinen Klänge von Vollholzinstrumenten wegen des Umgebungslärms ohnehin kaum hörbar sind. 

Anfänger erleben die Unterschiede kaum, daher sind weniger empfindliche Modelle für sie eher zu empfehlen. Fortgeschrittene Spieler, die anspruchsvollere Literatur spielen, können mit Vollholzinstrumenten dagegen ihre wahre Freude haben. An dieser Stelle bemerke ich dass diverse Harmonikahersteller einen hörbar klanglichen Vorteil von Vollholzinstrumenten verneinen und die klangliche Qualität auf andere Aspekte zurückführen. im Falle eines Erwerbs gilt es also, selbst einen Vergleich mit verschiedenen Bauweisen der Instrumente durchzuführen. 

Was sind Halbtöne auf der Harmonika und wozu werden sie verwendet? 

Der Begriff “Halbton“ ist kein fachlicher, sondern ein umgangssprachlicher Begriff. Gemeint sind damit zusätzliche chromatische Töne zum diatonisch gebauten Tonsystem. Ein chromatischer Ton oder Tonschritt ist am besten an einer Klavier- oder Akkordeontastatur zu veranschaulichen. Jeder Schritt von einer Taste zur nächste, egal ob es sich um weiße oder schwarze Tasten handelt bedeutet ein chromatischer Tonschritt, bzw. ein Halbtonschritt. 

Mit den so genannten Halbtönen auf der Harmonika sind in der Regel die Töne gemeint, die einen Halbton höher als die Gleichtöne auf der zweiten und dritten Tonreihe klingen. Wenn auf einer Harmonika der Stimmung G-C-F-B der Gleichton auf der zweiten Reihe ein G ist, ist der dazugehörende Halbton H1 ein Gis. Auf der dritten Tonreihe ist der Gleichton ein C, der dazugehörende Halbton H2 ein Cis. Diese Töne sind aber nicht auf allen Harmonikas vorhanden, da Sie als Sonderausstattung gelten. Diverse Harmonikahersteller bauen sie generell ein, bei anderen können sie optional mitbestellt werden. 

In der Griffschrift werden die Halbtöne neben den Tonköpfen zusätzlich mit den Kürzeln H1 (Halbton zum Gleichton 2. Tonreihe) und H2 (Halbton zum Gleichton 3. Tonreihe) gekennzeichnet. In einigen Fällen wie beim Schaborak-System werden die Notennamen oft direkt dazu geschrieben. Dabei muss man jedoch die Stimmung des Instrumentes mit berücksichtigen. 

Die Anordnung dieser Halbtöne auf dem Griffbrett unterliegt keiner Norm und  kann je nach Hersteller sehr unterschiedlich erfolgen. In den meisten Fällen werden sie den untersten  beiden Knöpfen (Kopfseite) der ersten Tonreihe oder dem jeweils untersten Knopf der ersten beiden Tonreihen zugeordnet. Im Detail, z.B. Spielweise auf Zug und Druck kann es verschiedene Ausführungen geben. Diverse Modelle bauen beide Halbtöne in einen Knopf ein, wobei der H1 auf Druck und H2 auf Zug oder umgekehrt klingen. Die ursprünglich an diesen Stellen vorhandenen tiefen Töne müssen entfallen, da keine zusätzlichen Knöpfe angebracht, sondern die Stimmplatten bestehender Knöpfe getauscht werden. 

Musikalisch handelt es sich bei Halbtönen oft um Übergangs-, bzw. Durchgangs- und Wechseltöne. Sie erzeugen eine treibende, fortschreitende Wirkung und sind daher ein Kennzeichen linearer Musik, wogegen diatonisch geprägte Musik eher einen zyklischen Charakter aufweist. Chromatisch geprägte Musikstile sind beispielsweise die klassische Musik und Wienerische Musik (Schrammelmusik). Auch südamerikanische Musik wie der Argentinische Tango oder die französische Musette sind chromatisch geprägt. Für  traditionelle Volksmusik mit diatonischer Ausprägung sind diese Halbtöne nicht erforderlich. 

Was sind Helikon- und Doppelhelikon-Stimmzungen? 

Dabei handelt es sich um Stimmzungen der Bässe auf der linken Begleitseite. Der Begriff Helikon bezieht sich auf den sonoren Klang der Helikontuba. Solche Stimmzungen werden von fast allen Harmonika-Herstellern zumindest für die Bässe der äußeren Bassreihe eingesetzt. Doppelhelikon-Stimmzungen bestehen aus zwei übereinander gelegte Stimmzungen einer Stimmplatte, die um eine Oktave auseinander gestimmt sind. Sie wirken wie Basstuben in einem Orchester, die im Oktavabstand miteinander spielen. So klingt der Bass deutlich voller und kräftiger, da Schwingungen im Oktavabstand eine erheblich stärkere Resonanz erzeugen als eine Verdoppelung gleicher Oktavlagen. Je nach Hersteller und Modell werden solche Stimmzungen auf allen Bässen beider Begleitreihen der Harmonika eingesetzt. Beim Spielen ist allerdings ein höherer Luftverbrauch erforderlich, woran man sich als Spieler gewöhnen muss. Einfache Helikonstimmzungen werden auch in diversen Akkordeon-Modellen verbaut. Doppel-Helikons sind dort aus Platzgründen nicht möglich. 

Gibt es überhaupt ein offiziell standardisiertes Knopfbelegungssystem für Harmonikas? (Frage gekürzt) 

Leider nein!

Es gibt historisch bedingt viele verschiedene Harmonikaarten mit jeweils verschiedenen Knopfbelegungen. Eine vollständige Übersicht darüber ist mir nicht bekannt. Bei der Steirischen Harmonika unterscheiden wir heute im Wesentlichen zwei geläufige Systeme, die die meisten Hersteller anbieten:

a) Altes System zunächst für dreireihige Harmonika, wofür Max Rosenzopf seine Schule schrieb, die als erste verlegte Schule für Griffschrift gilt. Aus diesem System entstand die vierreihige Harmonika und in Folge auch viele verschiedene Modifikationen. Das System wurde von Florian Michlbauer weiterentwickelt, so dass man heute allgemein vom Michlbauer-System spricht. Für dieses System gibt es das wohl größte Angebot für Griffschriftnoten. 

b) Schaborak-System: System das vom Harmonikalehrer Dieter Schaborak entwickelt wurde. (verstorben in 2020). Schaborak hat auch die erste große Harmonika mit 50 Diskant- und 21-Bassknöpfen entwickelt, wodurch der Tonumfang erweitert wurde. Solche Tonumfänge gibt es mittlerweile auch auf Basis des Michlbauer-Systems. 

Weitere Knopfbelegungssysteme finden Sie unter:
http://www.hyperbox.org/jpascher/privat/chord-displ/index.htm

Alle Systeme haben gewisse Vor- und Nachteile, was auch von der Spielweise und der gespielten Literatur abhängig ist. Wegen des Lern- und Gewöhnungseffektes gibt es aber kaum Harmonikaspieler, die auf mehreren Systemen spielen. Die Wahl eines Systems ist sehr an den Lehrer gebunden, bei dem man die Harmonika erlernt. Viele Harmonikahersteller bieten mehrere Systeme zur Wahl an.

Eine Standardisierung der Knopfbelegung wäre auf lange Sicht sinnvoll und vorteilhaft. Dazu müssten sich aber Instrumentenhersteller, Griffschriftverleger und Musikhochschulen zusammenfinden und einen Standard für die Zukunft definieren, der auch immer ein schwieriger Kompromiss sein würde. Dieser Standard könnte zur Auswahl stehen und sollte vor allem jüngere Spieler und Lehrer ansprechen, da ältere Spieler kaum einen Systemwechsel vornehmen werden. Andere Systeme könnten dann demnach beschrieben werden, wie und wo sie vom "Standard" abweichen. Offiziell, bzw. amtlich verordnen lässt sich so eine Standardisierung natürlich nicht. 

Welche Möglichkeiten gibt es, eine Harmonika zu verstärken?

Grundsätzlich gibt es 3 Wege:

1. Aufsatzmikrofone: Dabei werden Mikrofone mittels einer Haltevorrichtung auf das Gehäuse der Diskant und Bassseite aufgesetzt. Mittels Kabelverbindung wird eine Verbindung zum Verstärker hergestellt. Vorteil ist, die Aufsätze kann man selbst anbringen und wieder entfernen, wenn man eine Verstärkung nicht benötigt. Nachteil ist, das solche Aufbauten nicht schön aussehen und man auf die Kabel achten muss, um nicht darüber zu stolpern oder etwas zu beschädigen. 

2. Eingebaute Mikrofone: Dabei werden mehrere Mikrofone auf beiden Harmonikaseiten in das Gehäuse eingebaut. So dass eine gleichmäßige Klangaufnahme möglich ist. Hier gibt es auch keine Schwankungen durch die Balgbewegungen und beide Seiten können klanglich gut miteinander abgemischt werden. Moderne Systeme bieten hier auch die Möglichkeit einer Funkübertragung, wodurch Kabel vermieden werden können. Für häufige Einsätze mit Verstärkung ist dies der optimalste Weg, Allerdings soll der Einbau unbedingt durch einen Fachmann erfolgen. 

3. Einfaches Mikrofon: Wie für andere Instrumente oder Gesang kann ein normales Mikrofon auf einem Mikrofonständer verwendet werden. Das Mikrofon wird ca. 1 Meter vor dem Instrument mittig positioniert, damit es Diskant- und Bassseite etwa gleich aufnehmen kann. Allerdings lassen sich kleine Schwankungen beim Bass durch die Balgbewegungen nicht vermeiden. In vielen Fällen stört das im Livebetrieb jedoch nicht. Am besten eignen sich hierfür Kondensatormikrofone mit Richtcharakteristik, da diese sehr empfindlich sind und auch hohe Frequenzen gut aufnehmen. Allerdings gilt das auch für Nebengeräusche mit der Gefahr für störende Rückkopplungen. In einer nicht vermeidbaren Lärmumgebung (Wirtshaus, Tanzbetrieb, etc.) kann man daher auch gute dynamische Gesangsmikrofone verwenden. Vorteil ist auch ein schneller und unkomplizierter Aufbau. Für gelegentliche Einsätze ist dies der einfachste und kostengünstigste Weg. 

In allen Fällen ist natürlich eine Verstärkeranlage erforderlich und man muss auch etwas darüber wissen, wie man eine Verstärkeranlage, bzw. ein Mischpult einstellt. 


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