08. Was sind Halbtöne?

Geposted von Carl Hartmuth am

Was sind eigentlich Halbtöne und welchen musikalischen Zweck erfüllen sie?

In der Musiklehre gelten Halbtöne als das kleinste Intervall in einem 12stufigen Tonsystem bzw. die kleinste mögliche Entfernung zwischen zwei Tönen. Der unmittelbare Abstand von Ton zu Ton wird als Halbtonschritt, kurz "Halbton" bezeichnet. Wir unterscheiden bei der Harmonika beim Michlbauer-System aber zwischen Halbtönen und zusätzlichen Halbtönen mit den Zusatzkürzeln H1 und H2. 

Warum gelten die Halbtöne auf den Gleichtönen als zusätzliche Halbtöne und die Töne es/dis und fis/ges, sowie der Ton b, die mehrfach auf dem Griffbrett vorkommen nicht als zusätzliche Halbtöne gelten?

Eine detaillierte Ausführung würde eine umfangreiche mathematisch-physikalische Erläuterung erfordern. Ich versuche hier eine vereinfachte Erklärung. 

Der diatonische Aufbau der Harmonika folgt den Tönen der Naturtonreihe. Dies bedeutet, dass ein Klang nicht nur aus einer bestimmten Frequenz besteht, sondern durch viele überlagerte Frequenzen, so genannten Teiltönen, die auf naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten aufbauen somit einen Klang erzeugen. Daher kommt es, dass ein gleicher Grundton z.B. von einer Klarinette oder einer Trompete sehr unterschiedlich klingt. Die Anzahl der möglichen Teiltöne ist unendlich und geht weit über den menschlichen Hörbereich hinaus. In der Praxis arbeiten wir mit den ersten 16 Teiltöne, die in einem bestimmten mathematischen Verhältnis zueinander stehen. Dieses Verhältnis ergibt sich durch die jeweilige Teilung durch eine bestimmte Zahl, bzw. einem Bruchverhältnis. 

Die Terz bildet den Unterschied zwischen Dur und Moll und bildet eine wichtige Grundlage für den Charakter des Klanges und einer Tonart. 

Die Septime ist eine Erweiterung des Akkordes um die kleine Septime, bzw. dem 7. Teilton Dieser Ton verleiht eine Spannung, die im folgenden wieder aufgelöst wird. 

Beim Fis/Ges handelt es sich um den 11. Teilton der Naturtonreihe. Dieser Ton teilt die Tonleiter in zwei exakte Hälften aus jeweils 3 Ganztonschritten und wird auch als Tritonus (3-Ton Schritt) bezeichnet. Wenn wir also einen Ton C spielen, klingt dieser Teilton ganz fein mit und trägt dazu bei, wie dieser Ton C klingt. 

Die drei Töne dis/es, b/h, fis/ges sind also fixer Bestandteil der Naturtonreihe, sind daher Bestandteil der Diatonik und gelten daher nicht als zusätzliche Halbtöne.

Als zusätzliche Halbtöne (H1/H2) gelten die erhöhten Gleichtöne der zweiten sowie dritten Tonreihe.  Bezogen auf die jeweilige Tonreihe handelt es sich hier um übermäßige Quinten, die nicht Bestandteil der Naturtonreihe sind. 

In der Praxis werden die Halbtöne gerne als Wechsel-, Durchgangs- und Übergangstöne eingesetzt. Sehr selten sind es "stehende" Töne, also markante Melodietöne. Und in vielen Fällen ist es die zweite Stimme. Solche Töne findet man typisch in der Wiener "Schrammel"-Musik und in der lateinamerikanischen Musik. 

Die Darstellung und Schreibweise der Halbtöne ist in den verschiedenen Knopfsystemen ebenfalls unterschiedlich. Ebenso kann die Anordnung der Halbtonknöpfe sowie deren Spielweise auf Druck und Zug unterschiedlich ausgeführt sein. Bestimmte Modelle verfügen beide Halbtöne auf nur einem Knopf, wobei man hier an das Druck- und Zugspiel gebunden ist. 

Auch hier fehlt leider eine einheitliche Regelung bzw. Normung. 

 

 

 

 


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