Abgleich der Knopfbelegungssysteme Michlbauer mit Schaborak

Abgleich der Knopfbelegungssysteme „Michlbauer – Schaborak“

Die Knopfbelegungen der Steirischen Harmonikas sind nicht einheitlich genormt. So existieren aus mehreren verschiedenen historischen und regionalen Entwicklungen dutzende verschiedene Knopfbelegungen. Zwei Systeme kristallisieren sich jedoch gegenwärtig heraus:

  • Belegung nach Florian Michlbauer. Hier handelt es sich um eine Weiterentwicklung bzw. Angleichung historisch entwickelter Belegungen ab der dreireihigen Harmonika, wie z.B. von Max Rosenzopf, dem Begründer der Griffschrift, wie wir sie heute verwenden. Eine Michlbauer-Entwicklung ist zum Beispiel die alphabetisch geordnete Benennung der Bassknöpfe. Vorteile des Systems sind eine allgemein gute (nicht immer vollständige) Durchgängigkeit zu ähnlichen und historischen Systemen sowie die große Angebotsvielfalt auf dem Notenmarkt.
  • Belegung nach Dieter Schaborak: Schaborak stellte Untersuchungen an, wie Töne aus seiner Sicht besonders für Auswendigspieler optimierter angeordnet werden können, was vor allem für die linke Begleitseite zutrifft. Bassdurchläufe und -übergänge sind leichter spielbar. Für viele Spieler, insbesondere Anhängern der traditionellen Volksmusik, gilt es als das „logischere“ System.

 In der Griffschriftdarstellung gibt es zwischen beiden Systemen einige Unterschiede, wie z.B. bei den zusätzlichen Halbtönen und Anordnung der Moll-Akkorde. Dazu ist die Benennung der Tonknöpfe teilweise abweichend. Im engeren Bereich um die Gleichtöne und den Orientierungston finden sich jedoch keine Unterschiede. Daher wirken sich die Verschiedenheiten erst bei anspruchsvoller Spielliteratur mit größerem Tonumfang aus.

 Die Spielweise auf dem Michlbauer-System erfolgt mittels vier oder fünf Finger. Nach Schaborak wird in der Regel mit vier Fingern gespielt. Außer bei weitgespannten Griffen oder an sinnvollen Stellen, wo auch mit fünf Fingern gespielt wird.

Für beide Griffsysteme gibt es jeweils Knopfbelegungstabellen und Übersichten der Griffschriftdarstellungen. Es existiert bislang noch keine veröffentlichte Übersicht, die beide Systeme gleichzeitig darstellt. Nachfolgend finden Sie einige tabellarische Übersichten, woraus Sie die Unterschiede der beiden Systeme für jeden Tonknopf auf Zug- und Druckspiel sowie die Griffschriftdarstellungen ablesen und vergleichen können.

Hierzu einige Hinweise:

Die Darstellungen erfolgen nach der Stimmung G-C-F-B, sowie 50 Diskant- und 23 Begleitknöpfen inklusive von Mollakkorden. Bei Harmonikas mit 46 Diskantknöpfen braucht lediglich die (klingend) unterste querliegende Knopfreihe nicht berücksichtigt werden. Beachten Sie dabei, dass je nach Hersteller die zusätzlichen Halbtöne am oberen Ende der ersten und zweiten Tonreihe unterschiedlich angebracht sein können.  

Enharmonisch verwechselbare Töne auf gleichem Tonknopf werden mit hinzugefügtem b oder bei den Halbtönen mit # beschrieben. Diese sind jedoch gleichbedeutend und austauschbar.

Db (Des) = C# (Cis); Eb (Es) = D# (Dis); Gb (Ges) = F# (Fis); Ab (As) = G# (Gis)

Geschichtlicher Hintergrund: In der Zeit der „reinen Stimmung“ bis etwa J.S. Bach (um 1700) waren z.B. Fis-Dur und Ges-Dur zwei verschiedene Tonarten und ein Stück konnte nur in der Tonart gespielt werden, in der es komponiert wurde. Damit alle zwölf Tonarten gleichberechtigt spielbar wurden, wurden die Stimmungen angeglichen, bzw. temperiert. Daher stammt auch der Begriff der „wohltemperierten“ Stimmung. Die Bezeichnungen der unterschiedlichen Tonarten wurden aus bestimmten Gründen jedoch beibehalten. Aus Gründen der Lesbarkeit können in den Tabellen nicht beide gleichberechtigte Bezeichnungen angegeben werden. Zum Thema enharmonische Töne, deren Herkunft und Bedeutungen verweise ich auf meinen separaten Beitrag unter: 

https://shop.musicon-verlag.de/blogs/enharmonische-verwechslung

 Tonlagenbezeichnungen:

g1 oder g`: Die 1 oder der kleine hochgestellte Strich ´  beziehen sich auf die eingestrichene Oktave. Diese befindet sich in der mittleren Oktavlage (entspricht dem mittleren c beim Klavier)

g2 oder g``: Die 2 bezieht sich auf die höhere zweigestrichene Oktave

g3 oder g```: Die 3 bezieht sich auf die noch höhere dreigestrichene Oktave

g: Ohne Zusatzbezeichnungen beziehen sich die Töne auf die „kleine“ Oktavlage, die sich eine Oktave unter der eingestrichenen Oktave befindet.

 Was mit den verschiedenen Oktavlagen gemeint ist, veranschaulicht folgende Grafik am Beispiel eines Klavieres:

 

  Zusätzliche Halbtöne:

H1: zusätzlicher Halbton: Halbtonschritt höher als der Gleichton auf der zweiten Tonreihe.
H2: zusätzlicher Halbton: Halbtonschritt höher als der Gleichton auf der dritten Tonreihe.

Diese Halbtöne werden nur im Michlbauer- System so gekennzeichnet. In alten Griffschriftnotationen kommen diese Halbtöne nicht vor, da sie nicht zum diatonischen Tonaufbau gehören und erst spät, seit ca. ab den späten 1980er Jahren entwickelt wurden, um die mögliche Spielliteratur mit chromatischen Tönen bzw. Halbtönen zu erweitern. Bei Schaborak sind die Formen der Notenköpfe anders und es wird der klingende Ton mit angegeben, wobei die Stimmung des Instrumentes mitberücksichtigt werden muss.

Bassknopfbezeichnungen:

Bei Michlbauer sind die Bassknopfbezeichnung alphabetisch angeordnet, mit Ausnahme des X-Basses als Wechselbass zum A-Bass auf gleicher Bassreihe. Dies kam daher, dass er X-Bass in der Historie erst spät als leichter zu spielenden Wechselbass zum A-Bass der äußeren Bassreihe entwickelt wurde. Ansonsten muss man in die Innenreihe zum H-Bass übergreifen. Die Bezeichnung X-Bass wurde gewählt, da das Alphabet vor dem A keinen anderen Buchstaben kennt.

Bassangaben erfolgen wie in der Griffschrift mit großen Buchstaben. Ohne Zusatzzeichen handelt es sich um Bässe in der klingend kleinen Oktave. Eine hinzugefügte hochgestellte Null wie Bo beschreibt den Bass in der tieferen großen Oktave.

Bei Schaborak werden die Bassknöpfe der Innenreihe analog zum Knopf der Außenreihe mit einem hochgestellten kleinen Strich gekennzeichnet. Bei diesen Tönen handelt es sich um den Terzbass (3 Ton-Abstand) zum Grundbass. Diese Art Kennzeichnung wurde von diversen Komponisten und Arrangeure auch für das Michlbauer-System übernommen.

Michlbauer: B (Bassaußenreihe) > G (Bassinnenreihe, nach senkrechter alphabetischer Anordnung)

Schaborak: B (Bassaußenreihe) > B` (Bassinnenreihe)

Mollakkorde:
Bezeichnung „em“: Ein hinzugefügtes m beim Begleitakkord beschreibt einen Mollakkord. Bei beiden Systemen sind die Moll-Akkorde in ihrer Lage sowie für Spiel auf Zug und Druck unterschiedlich angeordnet. Ergänzend sei bemerkt, dass für beide Systeme auch reine Dur-Ausführungen, d.h. ohne Mollakkorde möglich sind.

Schriftfarbe in den Tabellen:
Schwarz: Michlbauer-System
Blau: Schaborak-System, identisch mit Michlbauer
Rot: Schaborak, mit Unterschied zu Michlbauer.
Wegen besserer Beschreibbarkeit werden die physisch runden Knöpfe quadratisch dargestellt:
Beispiel:
 

 

 

 

Die Mollakkorde befinden sich in beiden Systemen auf der Bassinnenreihe, sind dort aber unterschiedlich angeordnet.

Wichtiger Hinweis:

In Einzelfällen können Knopfbelegungen und/oder deren Benennungen bei beiden Systemen abweichen. Dies ist herstellerbedingt oder geschieht auf Wünschen derer Kunden. Einige Hersteller bieten mittlerweile eine teilweise Kombination aus beiden Systemen an. Unterschiede gibt es auch in der Belegung der obersten (bzw. tiefst klingenden) Diskantknopfreihe zwischen einer 46er und 50er Diskant-Knopfbelegung. Die Halbtöne (H1 und H2) sind immer auf den obersten Knöpfen (Kopfseite) angeordnet, wodurch die klingenden Töne dieser Knöpfe bei beiden Ausführungen nicht identisch sind. Diese beiden Halbtöne klingen immer einen Halbtonschritt höher als die Gleichtöne der zweiten und dritten Tonreihe. Ganz gleich ob es sich um eine 46er oder 50er Diskantbelegung handelt. In Zweifelsfällen hilft ein Stimmgerät (oder Stimm-App auf dem Handy), einen Ton am Instrument zu identifizieren. Die Stimmung des Instrumentes ist bei der Tonangabe mit zu berücksichtigen. Verfügt ein Instrument z.B. über die Stimmung A-D-G-C, so müssen die Töne aus der Stimmung G-C-F-B um einen Ton alphabetisch nach oben gesetzt werden, da auf der Tonleiter nach dem Ton G der Ton A folgt. 

Hier diverse Links für Ihre Ablagen oder Ausdrucke: 

Erläuterungen (Text wie oben)
https://cdn.shopify.com/s/files/1/0432/8695/4143/files/Abgleich_Knopfsysteme_V1.pdf?v=1625211070

Nur Tabellen aus Niederschrift:
 Abgleich Michlbauer-Schaborak_V1.xlsx (shopify.com)

 

Tabelle Michlbauer: (46/16)
https://cdn.shopify.com/s/files/1/0432/8695/4143/files/Knopfbelegung-Michlbauer.pdf?v=1625208054

Link zum Verlag Schaborak und dort zu den original Grifftabellen von Dieter Schaborak (für verschiedene mögliche Tonumfänge):
https://www.ziachnoten.de/epages/15513816.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/15513816/Categories/%22Harmonika%20Edition%22/01

Verwendung der Dateien ist für den privaten Gebrauch gestattet. 

 Juli 2021, Carl Hartmuth, mit dankender Unterstützung durch Rainer Primbs.